Lehre - Exkursion Mittelrheintal

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"DIE WACHT AM RHEIN" - deutsch-französisch-polnische Projektwoche zum "Weltkulturerbe Mittelrheintal"

Seminarexkursion im Fach "Geschichte der Baukonstruktion" der Fachrichtung Architektur, Mainz (D), des Instytut Architektury y Urbanistiki, Lodz (PL) und der école d´architecture de Versailles (F)


In der mehrjährigen Tradition deutsch-französisch-polnischer Seminarveranstaltungen
zur Architekturgeschichte konnte nach gemeinsamen Exkursionen in Polen und Frankreich die Fachhochschule Mainz ihre Gäste aus Lodz und Versailles im Mai 2001 zum "Heimspiel" im Rheintal begrüßen. Großzügig gefördert vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und dem DAAD präsentierten und diskutierten 12 deutsche, 14 französische und 10 polnische Studierende mit ihren Professoren Jean Castex aus Versailles, Weronika Wisniewska und Wlodimierz Witkowski aus Lodz sowie Emil Hädler aus
Mainz drei Tage lang im Seminar- raum des IProD im Mainzer Zollhafen Projekte und Bauten, die beispielhaft die Überformung und Uminterpretation von Baudenkmälern des
19. Jahrhunderts in Ideologie und Praxis zeigten. Die französische Gruppe präsentierte wenig bekannnte Restaurierungen wie den Umbau eines Flügels des Versailler
Schlosses zum Plenarsaal des französischen Senats. Die polnischen Studenten brillierten mit Vorträgen in deutsch, englisch und französisch über Schloßbauprojekte
des 19. Jahrhunderts. Daß es zu dieser Thematik auch historisch interessante deutsch-französische bzw. deutsch-polnische Schnittmengen zu erörtern gab zeigte die Hohkoenigsburg bei Sélestat/Schlettstadt, vorstellt von einem französischen Studenten. Die gewaltige Ruine wurde von Bodo Ebhardt in den Jahren um 1900 nach nicht unumstrittenen Konzepten restauriert als politische Manifestation deutscher Präsenz
im Elsaß, jener Zeit also, die in Deutschland mit der Devise "Konservieren, nicht Restaurieren" die Grundzüge einer behutsameren Denkmalpflege gebar. Die polnischen Studierenden präsentierten bedeutende Bauten von Karl Friedrich Schinkel im heute polnischen Schlesien. Streifzüge mit dem Skizzenbuch durch Mainz brachte den ausländischen Gästen unsere Stadt in besonderer Weise nahe, bevor die Gruppe mit
dem Laborschiff "Burgund" des Landes Rheinland-Pfalz zur klassischen Rheinreise durch das romantische Rheintal vom Mainzer Zollhafen aus aufbrach.

Skizze: Nagelsäule am Liebfauenplatz in Mainz. Als Zeugnis einer Kriegsanleihe im Jahr 1916 tauschten die Mainzer Bürger "Gold gegen Eisen". Jeder eingeschlagene Schmiedenagel sollte zur Linderung der Kriegsnot beitragen

Jenseits der romantischen Kulisse, die die Rheinreise
seit den Anfängen des englischen Rheintourismus im 18. Jahrhundert sicherlich für jeden zum unvergesslichen Erlebnis machte setzten sich die Studierenden mit der politischen Dimension dieser Landschaft im 19. Jahrhundert, ihren Denkmälern und Restaurierungen auseinander.
Die Diskussion kulminierte in Fragen zur Iconographie des 1883 errichteten Niederwald-Nationaldenkmals als Dokument des in Versailles 1871 ausgerufenen Zweiten Deutschen Reichs - in Frankreich bekannt als Schmachfriede des "traité de Francfort", der den Verlust von Straßburg und Metz besiegelte. Kontrovers diskutiert wurde von den französischen und polnischen Gästen die 1992 erfolgte Wiedererrichtung des 1945 zerstörten Reiterdenkmals Wilhelms I von 1897 am "Deutschen Eck" als kritisch hinterfragter Ausdruck des wiedervereinigten Deutschland. Wie sehr alle Beteiligten diese Aspekte als Teil einer - durchaus nicht immer liebenswerten - gemeinsamen europäischen Geschichte empfanden und erfassten zeigte aber die offene und freundschaftliche Athmosphäre, die diese Studienreise prägte. Eine Wanderungen über den Rheinhöhenweg von Assmannshausen nach Rüdesheim führte auf den Spuren Victor Hugo´s vorbei an der Burg Ehrenfels gegenüber Bingen, die mit ihrer interessanten Stahlkonstruktion aus den 1990er Jahren im Innenhof für erheblichen Gesprächsstoff unter den angehenden Architekten sorgte.



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20.06.2002