Konzept
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Ein Institut mit Praxisbezug

Die Institutionen der Denkmalpflege geraten im Zuge des allgemeinen Verwaltungsabbaus unter Druck und können wichtige Tätigkeiten der Sanierungsbegleitung und Beratung nicht mehr flächendeckend wahrnehmen. Soll die Idee der Denkmalpflege erhalten bleiben, so sind neue Konzeptansätze zur Unterstützung der staatlichen und kommunalen Denkmalpflege erforderlich.

Das IProD hat es sich zur Aufgabe gemacht, die praktische Arbeit am Baudenkmal vorzubereiten, angehende Architekten und Ingenieure auf ihre Aufgaben in der Bauwerkserhaltung am realen Projekt zu trainieren und laufende Bauvorhaben fachlich zu begleiten. Wir bieten interessierten Studierenden und Graduierten die Möglichkeit, Einblicke in die Tätigkeitsfelder von Praxis, Theorie und Lehre der Denkmalpflege zu gewinnen.


Ein Institut als Partner für Baugewerbe und Baudenkmalpflege

Über 65% des Baugeschehens in Europa spielen sich heute im Baubestand ab - mit weiter steigender Tendenz. Planungen zur Instandsetzung oder Umnutzung von Altbauten, darunter auch Denkmalprojekte, nehmen im Leistungsbild der Architektur- und Ingenieurbüros und des Baugewerbes einen wachsenden Stellenwert ein. In Deutschland bemühen sich Bauträger verstärkt um steuerwirksame Investitionen in der Denkmalpflege. Neben den Baudenkmalen aus vergangener Zeit ist die Architektur der 1950er Jahre als Zeugnis der Nachkriegszeit in ihrer Denkmalwürdigkeit in Fachkreisen weit- gehend unstrittig. Die Bauten der 1960er und 1970er Jahre stehen zur Sanierung an, teils sind sie schon als Denkmale schutz- und erhaltungswürdig. Bauten der Industriekultur des 19. und 20. Jahrhunderts erfordern innovative Arbeitsmethoden. Wir bereiten im IProD die "Zukunftsaufgabe Bauen im Bestand und Baudenkmalpflege" durch wissenschaftliche Untersuchungen vor und unterstützen Projektierungen, Sanierungsplanungen und Baumaßnahmen an Denkmalobjekten jeder Art durch baubegleitende Forschungen.


Studium in Forschung und Lehre

Das grundständige Architekturstudium an der Fachhochschule Mainz bietet ein spezifisches Lehrangebot für die Tätigkeit des Architekten im Baubestand. Studierende mit der Neigung zum Planen und Bauen im Bestand haben im IProD die Möglichkeit, als Hilfsassistenten, Tutoren, Semesterpraktikanten oder im Rahmen des "Praxisintegrierenden Architekturstudiums (PIA)" während des Studiums Projekterfahrung zu erwerben und an Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mitzuwirken.

Das IProD vermittelt Praktika in der Denkmalpflege im In- und Ausland, initiiert Lehrprojekte und unterstützt Studierende der Altbau-Vertiefungsfächer. Es organisiert Fachtagungen und Vorträge. Durch die Mitarbeit im IProD werden Studierende auf weiterqualifizierende Master-Studiengänge in der Baudenkmalpflege vorbereitet.


Projektentwicklung in der Baudenkmalpflege

Das IProD versteht sich als interessenunabhängige Einrichtung, die Aufgabenstellungen in der Denkmalpflege klärt, Fragestellungen präzisiert, Eigentümer berät und Projekte mit Beispielcharakter durchführt. Es unterstützt Architektur- und Ingenieurbüros bei der Umsetzung ihrer Aufgaben und bringt Sanierungsvorhaben in der für freie Büros unrentablen Phase der Projektvorbereitung auf den Weg.

Im Vorfeld von Projektierungen findet Projektentwicklung dort statt, wo unklare Zielformulierungen, unübersichtliche Eigentumsverhältnisse oder offene Finanzierungen die ersten notwendigen Schritte auf dem Weg zur Projektplanung verhindern.

Das IProD ebnet Wege, schafft Kommunikation und Vertrauen, moderiert Konflikte zwischen Eigentümern und staatlichen Institutionen und begleitet Sanierungsvorhaben als Projektsteuerer in der Denkmalpflege.


Angewandte Forschung in der Baudenkmalpflege

Historische Bauforschung als Wissenschaft ist ihrem Wesen nach ergebnisoffen und orientiert sich am Baudenkmal als Primärquelle der Baugeschichte. Ihre Resultate sind nicht zwangsläufig sanierungsrelevant. Sie sieht Bauwerke als einen Teil der Bauarchäologie und beschäftigt sich in der Regel mit den oberirdischen Artefakten menschlicher Bauaktivitäten. Historische Bauforschung ergänzt das Quellenstudium von Archivalien durch die Auswertung physischer Baubefunde.

Angewandte Bauforschung als technische Disziplin erweitert die Fragestellung der Bauarchäologie um Aspekte der Baukonstruktion, der Oberflächenbeschaffenheit, der Anamnese und Diagnose am "Patienten Baudenkmal". Sie klärt und bewertet frühere Reparaturversuche und technische Nach- besserungen, überprüft deren Wirksamkeit im Hinblick auf aktuelle Anforderungen und trifft Aussagen zum technischen Status Quo und zum Potenzial eines Baudenkmals. Angewandte Bau- forschung bedarf der historischen Bauforschung als wissenschaftliche Disziplin zur Klärung technischer Fragestellungen. Sie bildet die Voraussetzung für jede denkmalpflegerische Projektierung.

Denkmalpflege ist keine Wissenschaft, sie wendet Wissenschaft an. Angewandte Wissenschaft ist die originäre Aufgabe der Fachhochschule als "University of Applied Sciences".


Ein Institut der Fachhochschule

Das IProD ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Fachhochschule Mainz gemäß §90 des Hochschulgesetzes RLP (HochSchG) und wurde im Oktober 2000 auf der Leipziger Denkmalmesse gegründet. Zwei Professoren der Fachrichtung Architektur leiten das Institut. Das IProD beschäftigt wissenschaftliche Mitarbeiter, Semesterpraktikanten, Studierende im "Praxisintegrierenden Architekturstudium (PIA)" sowie Hilfsassistenten, Tutoren und ausländische Praktikanten.

Die wissenschaftliche und didaktische Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Mainz und der Fachhochschule Wiesbaden wird ausgebaut. Die wirtschaftliche Projektabwicklung erfolgt über die ITB GmbH Bingen als landes- eigenem Betrieb. Das IProD pflegt den wissenschaftlichen und didaktischen Austausch mit ausländischen Hochschulen und Instituten namentlich in Polen, Frankreich und Italien.

 
11.01.2005